Praxis für klientenzentrierte Gesprächs- und Körpertherapie

Ludger Gallus

Ich

1959 geboren und behütet aufgewachsen, habe ich nach Abitur, Zivildienst und Studium der Ökonomie viele Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet, bis.....ich irgendwann fühlte, daß etwas nicht stimmt.

Ich hatte das Gefühl, mit all meinem Tun und meinem Engagement gleichsam „an mir selbst vorbei“ zu leben. Begleitet wurde dieses Gefühl von Symptomen wie tiefer Niedergeschlagenheit und Trauer (die ich jedoch nicht zulassen, an die Oberfläche kommen lassen konnte), innerer Leere, Ausgebranntsein, quälenden Magenschmerzen, Lebens-(oder Todes-)angst, wechselnd mit dem Gefühl, zu ersticken, keine Luft mehr zu bekommen, mit Herzrasen, Schweissausbrüchen, Panikgefühlen. Dazu kamen anhaltende und schmerzhafte muskuläre Verspannungen.

Auch mein mehr auf Leistung denn auf Genuss ausgerichtetes Sporttreiben half mir aus dieser sich immer mehr verdichtenden Misere nicht heraus. Ärztliche Untersuchungen ergaben keinen hinreichenden körperlichen Grund für mein Befinden, und ich hatte das Gefühl, als würde irgendetwas in mir schreien: „all das, was ich tue, wie ich lebe, das bin nicht ich!“

 

Dann traten zwei „Engel“ in mein Leben: der eine Engel war mein Taichi-Lehrer. Er lehrte mich, mich nachhaltig zu entspannen und mit neuer Energie aufzuladen, einer Energie, die nichts weiter von mir verlangte, als DA zu sein, mich ihr zu öffnen. Er half mir, den im wörtlichen und übertragenen Sinn verlorengegangenen Bodenkontakt wiederzufinden und zu spüren, daß das Leben heiter, genussvoll und herzenswarm sein kann, wenn ich mich diesen Qualitäten gegenüber nicht verschliesse.

Ich begann, wieder Leben in mir zu spüren.

 

Der zweite Engel war eine gute Freundin, in Psychomotorik (Motopädie), Sotaiho und Shiatsu ausgebildet, und die Behandlung, die ich durch sie in Gespräch und Berührung erfuhr, öffnete mich vollständig für eine ganz neue Erfahrung. Es war mein erster Kontakt mit körpertherapeutischer Arbeit.

Durch ihre liebevolle Hingabe erfuhr ich etwas für mich ganz Ungewohntes: das Gefühl, einfach nur da sein zu dürfen, ohne etwas leisten, etwas beweisen zu müssen; sein zu dürfen, wie ich eben bin: mal stark, aber auch mal schwach, mal mutig, mal schutzbedürftig, „grundlos“ fröhlich und ebenso traurig, sogar zornig oder wütend...ich bin es, der so ist, und ich darf so sein, denn all das (und noch viel mehr) gehört zum Leben, zu meinem Leben dazu.

Durch ihre Liebe und Akzeptanz lernte ich, mich selbst zu lieben und zu akzeptieren; sie tat es, einfach und schlicht, und gab es an mich weiter...

 

Nach und nach schien eine schwere Last von mir abzufallen. Heute, mit Abstand und Humor, denke ich: ich hatte mich selbst die ganze Zeit durch die Gegend getragen, so viele Kilo so viele Jahre, und hatte dabei ganz übersehen, dass ich ja Beine und Füsse habe und selbständig gehen, bei Bedarf sogar schweben kann, wenn ich will.

 

Meine neuen Erfahrungen und meine erneuerte Lebenskraft halfen mir, mein Leben nachhaltig zu ändern: ich schraubte mein Arbeitspensum drastisch herunter und lernte, dass Geld und Konsum nicht alles im Leben sind. Ich nahm Zeichen-und Malunterricht, begann eine Tätigkeit als bildender Künstler und baute schliesslich fast ohne fremde Hilfe ein kleines Haus (welch wunderbare, aberteuerliche Tätigkeit, und es ist bis heute nicht zusammengebrochen:-)...bei jedem Brett und jedem Balken, den ich bearbeitete, hatte ich das Gefühl: ja, diese Tätigkeit entspricht wirklich mir, das bin ich!

 

Sollte es mich wundern, dass meine quälenden Symptome, die mir vorher schon fast normal erschienen, nach und nach verschwanden und bis heute nicht wieder aufgetaucht sind?

 

Was ich hautnah an mir selbst erlebt habe, hat mich überzeugt, und so arbeite ich heute, nach 5 Jahren Ausbildung zum staatlich geprüften Heilpraktiker für Psychotherapie und zum Practitioner for Postural Integration in eigener Praxis für klientenzentrierte Gesprächs- und Körpertherapie. Darüber hinaus wende ich meine Einsichten und Erfahrungen als pädagogischer Mitarbeiter einer Einrichtung für Mitmenschen mit seelischen, geistigen, sozialen und körperlichen Beeinträchtigungen an.

 

Ausserdem unterrichte ich seit einigen Jahren Taichi und Qigong, zertifiziert vom Deutschen TaiChi-Bund DTB. Sowohl das Praktizieren als auch das Unterrichten von TaiChi und Qigong bedeuten mir viel, denn diese Arten der Meditation in Bewegung haben mir damals sehr geholfen und tun es immer noch, und das Feedback meiner Schüler hilft mir dabei, das, was ich täglich praktiziere, zu reflektieren, von verschiedenen Seiten zu betrachten und zu verbessern.

 

Ich habe das Gefühl, bei mir selbst angekommen zu sein, und ich bin dafür dankbar.

 

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„Die Psyche und der Körper stehen, wie mir scheint, miteinander im Einklang. Eine Veränderung des psychischen Zustands ruft eine Veränderung in der Körperstruktur hervor, und umgekehrt löst eine veränderte Körperstruktur eine Veränderung in der Psyche aus.“ 

                                                                                                                                          Aristoteles

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